Posts tagged “Vetternwirtschaft

Tagebucheintrag am 18. des Oktober

Liebes Tagebuch,

Gewitter Donnerkeil!!! Nicht schon wieder!

Die machen es wieder, dieser verdammte christdemokratische Widerstand, die schimpfen wieder auf Unseren braven Karl-Peter, den Schwiegervater. Ohh, Wir müssen erst mal durchatmen.

Wir hatten dir, Unserem lieben Tagebuch, ja schon berichtet, wie man über Unser Schloss in Bad Bergzabern hergezogen ist, Wir haben das langsam satt. Ein König braucht Schlösser, das gehört sich so! Unsere Kritiker haben einfach keinen Anstand mehr. Da wird schon wieder bitterster Spott über Unser Haupt ergossen, weil das Schloss mal wieder teurer wird als geplant. So ein Unsinn. Das Schloss wird nicht teurer, Wir haben dem Volk nur sicherheitshalber einen geschönten Plan vorgelegt. Das hat mit der Ringfestung und Unserem Staatshaushalt schließlich auch funktioniert. Wie Wir das hassen, wenn es an Unserem Hofe Plaudertaschen gibt, die dergleichen verraten…

Uns ist dabei schließlich nichts vorzuwerfen! Wir haben nur ein Haupt, und dieses hat ein ausgiebiges Schlafbedürfnis. Da können Wir doch nicht alles selber machen. Also machen Wir es, wie es jeder gute Monarch tut, wir delegieren. Wir haben Karl-Peter, dem Schwiegervater, also gesagt, er möge Uns ein Schloss bauen. Und das Schloss wird stehen, da müssen Wir Uns doch nicht mit den Einzelheiten belasten.

Und nun wird mal wieder nach Unserer hart richtenden Hand verlangt.  Karl-Peter habe bei dem Bau nicht nur die Abgaben Unsere Untertanen verschwendet, was in Unserer Regierung sowieso kein Vergehen ist, sondern auch Vetternwirtschaft betrieben. Das hat ja ein gewisses System, er trägt nicht umsonst den Beinamen „der Schwiegervater“!

Man fordert daher von Uns, Karl-Peter, den Schwiegervater, in Ungnade zu entlassen und zum verbannten Ex-Großkämmerer Ingolf ins Exil zu schicken.

Das kommt überhaupt nicht in Frage. Wir haben das schon einmal erklärt, Vetternwirtschaft ist in Unserem Reich nicht verboten, Wir sind Herrscher einer Monarchie, und die funktioniert nun mal so!

Wir hoffen, dies hiermit endgültig geklärt zu haben!

KÖNIG KURT I.

Rex Palatiorum


Tagebucheintrag am 16. des September

Liebes Tagebuch,

Ist es Uns gar zu verdenken? Gönnt es Uns doch!

Unser Geburtsort Bad Bergzabern benötigt wohl ein Denkmal für ihren genialen und infantilen Herrscher, der aus ihren doch so bürgerlichen Reihen einst emporstieg. Wie pflegte einst ein guter Freund mal zu sagen: Ein König ohne Schloss ist wie ein Weib ohne Herd! Drum bauten und sanierten wir Uns unser Schloss. Dereinst wohnte dort der europäische Adel und schmiedete dort seine Heiratspläne. Unsere Vorfahren im Geiste. Drum gilt es nun zurückzukehren in des Pudels Kern und an des Reiches Wurzel.

Unser Minister für Gedächtnisbauten Hendrik zu Hering und sein treuer Gehilfe Karl-Peter der Schwiegervater alias „Verfassungsbruch“ erledigten jegliche Formalitäten. Ein „guter“ Bekannter der Sozialproblematischen Partei und Freund des Hauses aus dem „Gutländer Land“ aus der Nibelungen- und Lutherstadt Civitas Vangionum Worms steht gut da in Unserer Gunst und wird das Schloss in einer Dekade für einen spöttischen Vetternpreis übernehmen, sobald wir Uns selbst einen würdigen Herrschaftsruhesitz im schönen Mayence erbaut haben.

7,2 Dukaten und ein paar Nullen, also quasi Nichts für Unsere prall gefüllte Geber-Staatstruhe. Sollte in fernerer Zukunft doch das Geld des Reiches aufgebraucht sein, wird Unser Volk, die Schergen des Landes wohl dafür aufkommen und Uns ihren Zehnten mit Freude und Wohlempfinden abgeben. Schließlich sind Wir ihr König.

Hotel haben Wir es nur dem Anschein nach genannt, wohnen werden natürlich nur Wir, der König, dort. Ob bis dahin unsere scheinbar verloren gegangene Gattin und Königin Rosi wieder zu Uns zurückkehrt, steht in den Sternen. Auch hier dürfte die ein oder andere Dukate ihr nötigstes dazu bei tun. Doch genug!

Unser getreues Funkpressentum, genannt SWR, wird an diesem Abend zur Hauptzeit einen eigens für Uns erstellten Bericht zu Unserem wahrlich gelungenen Schloss in ihrer Sache des Landes ausstrahlen: “König Kurt bekommt ein Schloss!”

Schaltet ein ihr Ungläubigen und seht, dass es gut ist!

KÖNIG KURT I.

Rex Bad Bergzaberum


Tagebucheintrag am 13. des September

Liebes Tagebuch,

Wir sind wieder einmal sehr zufrieden mit Uns selbst. Unsere Proklamation wächst und gedeiht. Und wie Unsere Proklamation wächst auch mit jedem Tag die Gewissheit, dass die Herrschaft Kurts, des Endlosen, auf immerdar in Unserem Reiche gesichert sein wird. Mit weiteren Gesetzen werden wir Uns und Unseren Hofstaat noch unangreifbarer machen.

Und das kann bitter nötig sein. Wir erinnern Uns schließlich, wie Unsere Gegner in der Landständeversammlung versucht haben, Unseren treuen Diener Karl-Peter den Schwiegervater, schon damals und seitdem ganz besonders von Unserer Gnaden oberster Büttel und Ordnungshüter der Krone, vor Unseren Augen zu vernichten. Man warf ihm sogar vor, die Verfassung Unseres Reiches verletzt zu haben, man gab ihm sogar den Schmähnahmen „Verfassungsbruch“.

Diese Schranzen! Was bilden die sich eigentlich ein?! Man wagte es Unserem Minister doch tatsächlich vorzuwerfen, er habe entgegen dem geltenden Rechte staatliche Aufträge an den Verlobten seiner Tochter vergeben.  Wir fragten uns schon damals nicht, ob er so etwas wirklich getan hatte, Wir wissen schließlich, dass dem so ist. Wir fragen Uns vielmehr, warum bei Unserem Barte man ihm daraus einen Vorwurf machen konnte. Er hat doch nur lukratives Geld seiner Familie zugespielt. Ja und? Ist das was Besonderes? Sowas tun an Unserem Hofstaat alle, das hier ist eine Monarchie, das geht so!

Okay, seine Tat verstieß gegen die Gesetze Unseres Reiches, was bei dem obersten Ordnungshüter vielleicht nicht den besten Anschein erzeugt. Aber Wir haben ihm vergeben! Das muss doch reichen! Wir sind König Kurt I., Wir sind das geltende Recht! Zum Glück haben wir Uns in Unserer Proklamation in allen Rechtsfragen das letzte Wort vorbehalten.

Aber Wir sollten sichergehen. Wir werden Unser Pardon für Karl-Peter den Schwiegervater nochmals in Unserer Proklamation festschreiben. Immerhin wünschen sich Unsere Untertanen eine familienfreundliche Politik, und familienfreundlicher geht es wohl nicht.

So eine Aufregung, und dabei ging es nur um läppische 180 000 Gulden. Also wirklich! Wenn Wir den Gildenmeister der Tennisspieler viermal auf der Ringfestung auftreten lassen ist das teurer! Hm, eigentlich mal wieder eine gute Idee. Und Wir werden dazu Unseren ganzen Hofstaat mitsamt seinen Familien einladen. Die Kosten begleichen wir dann aus dem Staatsschatz.

Wir werden sofort die Staatskutschen vorfahren lassen!

KÖNIG KURT I.


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