Tagebucheintrag am 4. des März – König-Kurt-Karaoke: “Ich bau’ mir ein Schloss”
Liebes Tagebuch,
Wahrlich, wahrlich Fasnacht steht vor der Türe und es passt Uns gerade hervorragend, da Unser Volk so Unsere ganzen Skandale und Missgeschicke einfach vergessen kann.
Natürlich benötigen Wir, als wahrer König, auch ein eigenes Lied, das uns gewidmet ist. So veranlassten Wir, dass man Uns, König Kurt eine Hymne schreiben möge. Aus dem ganzen Reiche warben die Barden um Unsere hohe Gunst. Am Ende konnte jedoch nur einer das wahre „König-Kurt-Lied“ für Uns schreiben!
Lampeder Hofsängersknaben schrieben Uns wahrlich ein Lied von königlicher Herrlichkeit und in Formvollendung. Darin preisen Wir Unser eigens für uns errichtetes Schloss zu Bad Bergzabern. Auf dass man es in den kommenden närrischen Tagen in allen Straßen und Gassen des Landes hören und mitsingen möge, dem König zu Ehren!
Höret selbst!
KÖNIG KURT I.
Rex carnevalensi
Tagebucheintrag am 23. des Januar – Karl-Peter der Schwiegervater
„Scherge! Die Unterlagen über Karl-Peter, den Schwiegervater, alias Verfassungsbruch! Wir wissen, dass das jede Menge Material ist, dann muss er eben zweimal laufen! Nun bewege er seine Beine oder Wir werden ihm welche machen!!!
Liebes Tagebuch,
heute wollen Wir, passend zur Stimmung im Lande, einen weiteren Kandidaten für das Amt des Kronprinzen von Pfalz und Reich bewerten. Wie du schon gehört hast haben Wir Uns heute eine wahre Mammutaufgabe erwählt. Mit Karl-Peter dem Schwiegervater hätten Wir einen Kronprinzen, der fast so viele Skandale am Hals hat wie Wir selbst, und das will schon etwas heißen! Daher auch diese riesige Aktenflut. Mal sehen…Bevor wir es vergessen, hier noch ein kleiner Filmtipp mit Uns in einer der Hauptrollen. Wahrlich, Wir haben Unsere Rolle brillant ausgefüllt!

+++Bald im Kino+++ 1 1/2 Minister - Im täglichen Kampf gegen die Verfassung!
Weißt du, Unser Problem ist, dass Wir Karl-Peter „Verfassungsbruch“ ja eigentlich gar nicht in Erwägung ziehen würden. Aber unter Uns gesagt, Uns gehen langsam die Ideen aus. Da muss man in der Abwägung schon mal etwas großzügiger werden. Aber zurück zur Sache!
Wie Wir dir berichtet haben ist Unser Karl-Peter ein sehr familienfreundlicher Mensch. Du weißt, dass er die Aufträge Unserer Staatskanzlei wider geltenden Rechts an seinen Schwiegersohn vergeben hat. Nun, Uns war das ja schon damals gleich, Wir hatten ihm ja recht zügig vergeben. Immerhin hat Uns Karl-Peter damit bewiesen, dass er das Grundkonzept einer Monarchie verstanden hat, die Familie geht über alles. Leider hat sich diese Weisheit noch nicht im Volke durchgesetzt, weswegen Unser armer Karl-Peter heftig kritisiert wurde.
Jüngst hat er sich Unsere Gunst erneut errungen, als er in Unserer pfälzischen Heimat in Bad Bergzabern für Uns und in Unserem Namen auf Kosten des Staatssäckels ein Schloss hat bauen lassen. Auch hier zeigt sich, wie sehr doch Unser Karl-Peter Unsere Monarchie verstanden hat. Zuerst kommt der Monarch, dann seine Getreuen, und der Rest kann sehen, wo er bleibt.
Du siehst, Unser Karl-Peter ist von seiner geistigen Grundhaltung her ein geeigneter Thronfolger. Er hat nur eine Schwäche:
DER NARR LÄSST SICH ANDAUERND ERWISCHEN!!!
Seit Jahren schon liegen Uns Unsere Gegner in den Ohren mit seinen Werken, die vor dem närrischen Volke als Skandale aufgebauscht werden. Hätte der Mann ein bisschen besser aufgepasst könnten Wir viel ruhiger schlafen. Pah, wenn Wir Uns bei allem hätten erwischen lassen:
- Der Stümperei an der Ringfestung zu Nürburg um Kafitzerian, Ingolf und Hendrik zu Hering
- Unserer Mitwisserschaft am Rechtsbruch des Reichsadvokaten von Bamberg
- Unserer Kaufsucht am Fernreisehafen Hahn
- Unserem Versagen beim Museum der nicht vorhanden Künste
- Unserem heimlichen Gang an den kaiserlich-königlich-pfälzischen Kühlschrank gestern Abend
und, und, und! Da hätte man Uns doch schon lange enthauptet!
Nein, Unser Karl-Peter hat vielleicht die rechte Haltung, aber nicht das nötige Talent zur Vertuschung! Auch ihn müssen Wir von der Liste der geheymen Kronprinzen streichen.
„Schreiber! Er streiche Karl-Peter den Schwiegervater von der Liste! Warum? Weil er sich zu oft hat bei seinen Skandalen erwischen lassen. Nein, das können Wir nicht schreiben, damit geben Wir die Skandale ja zu. Ähmm… weil er sich noch um seine Familie kümmern muss!
KÖNIG KURT I.
Rex et amicus familiarum
Tagebucheintrag am 18. des Oktober
Liebes Tagebuch,
Gewitter Donnerkeil!!! Nicht schon wieder!
Die machen es wieder, dieser verdammte christdemokratische Widerstand, die schimpfen wieder auf Unseren braven Karl-Peter, den Schwiegervater. Ohh, Wir müssen erst mal durchatmen.
Wir hatten dir, Unserem lieben Tagebuch, ja schon berichtet, wie man über Unser Schloss in Bad Bergzabern hergezogen ist, Wir haben das langsam satt. Ein König braucht Schlösser, das gehört sich so! Unsere Kritiker haben einfach keinen Anstand mehr. Da wird schon wieder bitterster Spott über Unser Haupt ergossen, weil das Schloss mal wieder teurer wird als geplant. So ein Unsinn. Das Schloss wird nicht teurer, Wir haben dem Volk nur sicherheitshalber einen geschönten Plan vorgelegt. Das hat mit der Ringfestung und Unserem Staatshaushalt schließlich auch funktioniert. Wie Wir das hassen, wenn es an Unserem Hofe Plaudertaschen gibt, die dergleichen verraten…
Uns ist dabei schließlich nichts vorzuwerfen! Wir haben nur ein Haupt, und dieses hat ein ausgiebiges Schlafbedürfnis. Da können Wir doch nicht alles selber machen. Also machen Wir es, wie es jeder gute Monarch tut, wir delegieren. Wir haben Karl-Peter, dem Schwiegervater, also gesagt, er möge Uns ein Schloss bauen. Und das Schloss wird stehen, da müssen Wir Uns doch nicht mit den Einzelheiten belasten.
Und nun wird mal wieder nach Unserer hart richtenden Hand verlangt. Karl-Peter habe bei dem Bau nicht nur die Abgaben Unsere Untertanen verschwendet, was in Unserer Regierung sowieso kein Vergehen ist, sondern auch Vetternwirtschaft betrieben. Das hat ja ein gewisses System, er trägt nicht umsonst den Beinamen „der Schwiegervater“!
Man fordert daher von Uns, Karl-Peter, den Schwiegervater, in Ungnade zu entlassen und zum verbannten Ex-Großkämmerer Ingolf ins Exil zu schicken.
Das kommt überhaupt nicht in Frage. Wir haben das schon einmal erklärt, Vetternwirtschaft ist in Unserem Reich nicht verboten, Wir sind Herrscher einer Monarchie, und die funktioniert nun mal so!
Wir hoffen, dies hiermit endgültig geklärt zu haben!
KÖNIG KURT I.
Rex Palatiorum
Tagebucheintrag am 16. des September
Liebes Tagebuch,
Ist es Uns gar zu verdenken? Gönnt es Uns doch!
Unser Geburtsort Bad Bergzabern benötigt wohl ein Denkmal für ihren genialen und infantilen Herrscher, der aus ihren doch so bürgerlichen Reihen einst emporstieg. Wie pflegte einst ein guter Freund mal zu sagen: Ein König ohne Schloss ist wie ein Weib ohne Herd! Drum bauten und sanierten wir Uns unser Schloss. Dereinst wohnte dort der europäische Adel und schmiedete dort seine Heiratspläne. Unsere Vorfahren im Geiste. Drum gilt es nun zurückzukehren in des Pudels Kern und an des Reiches Wurzel.
Unser Minister für Gedächtnisbauten Hendrik zu Hering und sein treuer Gehilfe Karl-Peter der Schwiegervater alias „Verfassungsbruch“ erledigten jegliche Formalitäten. Ein „guter“ Bekannter der Sozialproblematischen Partei und Freund des Hauses aus dem „Gutländer Land“ aus der Nibelungen- und Lutherstadt Civitas Vangionum Worms steht gut da in Unserer Gunst und wird das Schloss in einer Dekade für einen spöttischen Vetternpreis übernehmen, sobald wir Uns selbst einen würdigen Herrschaftsruhesitz im schönen Mayence erbaut haben.
7,2 Dukaten und ein paar Nullen, also quasi Nichts für Unsere prall gefüllte Geber-Staatstruhe. Sollte in fernerer Zukunft doch das Geld des Reiches aufgebraucht sein, wird Unser Volk, die Schergen des Landes wohl dafür aufkommen und Uns ihren Zehnten mit Freude und Wohlempfinden abgeben. Schließlich sind Wir ihr König.
Hotel haben Wir es nur dem Anschein nach genannt, wohnen werden natürlich nur Wir, der König, dort. Ob bis dahin unsere scheinbar verloren gegangene Gattin und Königin Rosi wieder zu Uns zurückkehrt, steht in den Sternen. Auch hier dürfte die ein oder andere Dukate ihr nötigstes dazu bei tun. Doch genug!
Unser getreues Funkpressentum, genannt SWR, wird an diesem Abend zur Hauptzeit einen eigens für Uns erstellten Bericht zu Unserem wahrlich gelungenen Schloss in ihrer Sache des Landes ausstrahlen: “König Kurt bekommt ein Schloss!”
Schaltet ein ihr Ungläubigen und seht, dass es gut ist!

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