Tagebucheintrag am 24. des November
Liebes Tagebuch,
Wir wollen auch nach Capri!

Wir haben es darauf abgesehen Statthalter Jensus zu Beutelium in Verbannung zu schicken. Hat er sich doch tatsächlich erdreistet, eine Reise – gegen fremde Bezahlung– im Süden des Kontinentes anzutreten. Dass er sich diese Erkundung der Landschaft von fremden Kapitalgebern hat bezahlen lassen, verstehen Wir ja noch. Aber wie konnte er nur meinen, auf dieser Römer-Insel sei es schöner als in Unserer Kaiserlich-Königlichen Kurpfalz.
49 000 Gulden hat der ganze Spaß Unseres Statthalters gekostet. Was hätten Wir dafür nicht alles tun können? Davon hätten Wir fast einen Tag lang alle Unsere Spiele Unseres Kurfürstlich-Pfälzischen Ballvereines nahe der Flamme zu Kaiserlautern bei Laune halten können.
Diese untreuen Richter aus Mayence haben einen nach ihm suchen lassen. Die holden Weiber der Reise, die sich an süßen Getränken erfreuten, sind immer noch auf freiem Fuß. Unsere Generalin, die rote Zora Heike zu Cochem-Zell wird sich um sie kümmern.
Schon lange ist Uns Unser Statthalter zu Mayence ein Dorn in Unserem Auge. Immer wenn Wir mit ihm von die Hallen des Kutschenbetriebes auf Gleisen betreten und sich die Türen der Zuggefährte öffnen, hören Wir Stimmen, die „Bitte zurücktreten!“ rufen. Was diese Stimmen meinen, ist Uns unbekannt, ob sie gar ein Bollwerk der christlich-demokratischen Widerstandbewegung mit dieser Weinkönigin sind, ist ebenfalls nicht überliefert.
Unser treuer Wohnungsbauer und Statthalter in Mainz wird von Uns nicht weiterhin freie Hand haben. Wir überlegen, die bisherige Dorfvorsteherin Ulla zu Brede von Hoffmann, die ebenfalls in der Provinz zu Mayence weilt, zur Statthalterin zu erküren. Bis dahin werden Wir Uns die Provinz Capri mal genauer ansehen und schauen ob sie Unser Königlich-Pfälzisches Herz erfreut. Unsere nächste Reise wird also nicht über die Seidenstraße nach China führen, sondern über die Alpen. Wie römische Legionen einst mit Elefanten das Hochgebirge überwanden, so wird unser Hofstaat mit Uns die Berge bezwingen.
Wir wünschen Uns eine gute Woche!
KÖNIG KURT I.
Rex Moguntiorum
Tagebucheintrag am 11. des Oktober
Liebes Tagebuch,
Wir müssen Uns ernsthaft Gedanken darüber machen, wie Wir Unser Reich besser absichern können. Wir hatten dir ja berichtet, dass der christdemokratische Widerstand sich inzwischen schon bis in Unsere Residenzstadt ausgebreitet hat. Es ist dringend an der Zeit, hier neue Maßnahmen zu ergreifen.
Wir hatten zunächst darüber nachgedacht, Unsere Geheympolizei zu erweitern. Aber, ach, das würde Uns nur wieder Geld kosten, welches wir nicht haben. Wie sollen Wir denn Unsere Bauten finanzieren, wenn Wir Unsere Gulden in den Staatsapparat investieren. Nein, nein, neue Geheympolizisten sind genauso abwegig wie neue Lehrer oder Büttel.
Wir können Uns auch keine Hilfe aus benachbarten Königreichen anfordern. Zwar böte sich das an, nun, da Hannelore, die Kräftige, in Unserem nördlichen Nachbarreich herrscht. Doch solange ANGELA dem Bund vorsteht, wagen Wir es nicht. Wir müssen Uns Hilfe in Unseren eigenen Ländereien suchen. Zum Unserem Glück bieten sich da neue Möglichkeiten.
Wie Wir dir berichteten, haben Wir Order ausgegeben, die Sekte der Jünger Oskars, des Verräters, und Gregorius Gysis´, nicht weiter zu verfolgen. Wir hatten bereits weise vorhergesehen, dass Wir eines Tages einen Nutzen aus Ihnen ziehen können würden. Ja, so wird es gehen. Wir werden den Jüngern hochdotierte Hofämter anbieten, wenn sie Uns in den Entscheidungsschlachten im März des kommenden Jahres dienen werden.
So hat es auch Hannelore, die Kräftige, auf den Thron geschafft. Wir müssen nur noch eine alte Aussage Unserer Selbst aus der Welt räumen, und dann steht einem Bündnis nichts mehr im Wege. Einst, als es Unruhen in Hessen gab und Fürstin Andrea von Ypsilanti nach der Krone griff, da sagten Wir, Wir würden niemals mit dem Kopf zweimal in dieselbe Wand rennen. Fürstin Andrea hat es trotzdem versucht. Ihr brummt heute noch der Schädel.
Wie können Wir Unseren Untertanen nur erklären, dass Wir nun ebenfalls in diese Mauer zu rennen gedenken? Ha, Wir haben eine Idee. Wir sind König Kurt. Unsere ganze Physis ist gänzlich anders gebaut als die der kümmerlichen Fürstin. Sie ist ein Halm im Wind, wir dagegen haben die Konstitution eines Rammbocks! Und schließlich wirft man Uns doch immer vor, Wir hätten einen dicken Schädel! Keine Mauer der Welt kann dem Sturm Unseres Hauptes standhalten! Wir werden diese Mauer im ersten Sturme niederwalzen. Und wenn nicht, halten Wir Uns einen zweiten und dritten Versuch offen. So viel muss einem König schon zugestanden werden.
Dies soll sofort in der Proklamation unter VI.4 verkündet werden!
KÖNIG KURT I.
Muri depulsor
Tagebucheintrag am 19. des September
Liebes Tagebuch,
Ein Zitat eines alten Freundes spricht fürwahr für sich und für Unsere oblegene Regentschaft.
„Ein wahrer König muss drei Dinge im Leben tun: Ein Schloss bauen, einen Baum pflanzen und einen Sohn zeugen.“
Nachdem Unser Schloss zu Bad Bergzaberum nun steht, gilt es wohl nun einen Baum zu pflanzen! Doch saperlot welch ein Wirrwarr in den Wäldern Unserer doch so schönen kaiserlich-kurpfälzischen Heimat derzeit herrscht! Ein Markierungs-Wirrwarr auf unseren kulturell doch so wertvollen Wanderwegen durch Unsere Heimat. Doch man wirft Uns gar vor es durch die Freigabe von „Markierungsinitiativen“, dessen Begriff Uns bis zu diesem Zeitpunkt gar wenig geläufig war, geradezu verursacht zu haben. Welch ein Humbug vor dem Herrn!
Wir sind wohl der letztverbliebene Vernünftige unter vielen Ahnungslosen. Entweder Wir machen es einfach selbst oder es wird nichts. Die Markierung obliegt nun allein dem König!
Es gilt Unser Revier im Wald nun eigenhändig zu markieren, schließlich will Unser Volk gut geführt sein! Unsere moselfränkischen Jagdpatenhunde Balou und Cameron haben Uns dort auf diesem Gebiete wohl einiges gelehrt.
Am morgigen Tag, dem 20. des September laden Wir in die Kaiserlich-Königlich-Pfälzische Staatskanzlei zu einem wahrlich majestätischen „Runden Tisch“ zu Mayence ein.
Es obliegt Uns nun für Ordnung zu sorgen, in den Wäldern der Pfalz, auf dass Wir bald einen eigenen Baum pflanzen mögen.
KÖNIG KURT I.
Rex Silvarum
Tagebucheintrag am 16. des August

Liebes Tagebuch,
Unterhalb der Burg zu Cochem weilen Wir derzeit. Es ist Unser Refugium. Hier gewinnen Wir Abstand vom herrschaftlichen Weilen im Schloss zu Mayence. Endlich finden Wir Muße, die wichtigen Dinge zu erledigen. Unser Druckpressentum-Berater berichtete Uns von einer neuen Entdeckung: dem Internet. Darin ist es wohl möglich, Schrifterzeugnisse im ganzen Land zu verkünden. Dies ist Unsere Absicht, alle 2 bis 3 Tage werden Wir zu Tagesanbruch unserem Volke eine schriftliche Audienz abhalten. Unsere Untertanen sollen wissen, was ihr Herrscher wissen lässt und ihre Herzen mögen in Treue zu Uns erstrahlen.
Die neuartige Entwicklung nennt sich „Blog“, ein seltsames Wort. Wir kannten es bislang nur vom Schreibblog Unserer Sekretäre oder einem Holzblog, mit dem die Pfahlbauten Unserer Untertanen errichtet werden.
Es ist herrlich warm unterhalb der Burg zu Cochem. Wir verbringen hier holde Refugiumstage mit Unserem Hofstaat: Königin Roswitha ist zugegen und auch Unsere beiden wackeren Jagdhunde. Sie führen gerade Wettkämpfe am Moselufer aus. Wir haben den Beiden anglophile Namen gegeben, um Uns mit dem Königshause der Briten gut zu stellen: “Balou” und “Cameron” heißen die beiden.
Balou jährt sich nun schon zum zehnten Male. Sein Wesen ist ruhig, er liegt beschaulich in der Ecke – Uns darin wohl recht ähnlich. Cameron hingegen ist ein frecher Hund. Jüngst hatten Wir ihn im Schloss zu Mayence dabei. Da hat er alles ganz genau beschnuppert und sich gar an Unserem königlichen Festmahle vergangen. Zum Glück kennen Unsere Köche Unseren fürstlich ausgeprägten Appetit und hatten entsprechend üppig vorgesorgt.
Quicklebendig fühlen Wir Uns, wenn Wir bei der Burg zu Cochem einige Krüge Moselwein testen. Der König muss schließlich wissen, was in seinen Ländereien erwirtschaftet wird. Die Mosel tut dem Pfälzer gut – das wissen Wir jetzt. Nicht nur diese holden Weinprinzessinnen, die Wir mit Unserem stattlichen Haupthaare allzu gern liebkosen.
Jetzt sagt Unser getreues Weib Roswitha wieder, Wir hätten mit ihr einen Spaziergang entlang des Ufers zu machen. So oft spricht sie zu Uns: „Du bist faul, du weißt nicht, was du eigentlich machst.“ Balou und Cameron bellen dann immer, wenn sie sich das zu sagen erdreistet. Wir müssen das wohl als Zustimmung deuten. Eine herrscherunwürdige Unverschämtheit ist das. Ha! Majestätsbeleidigung! Wir sollten Roswitha in Ketten legen lassen! Nein, nein das geht nicht. Wie käme das denn an, wenn Wir Unser eigenes Weib verhaften lassen. Nein, das muss warten. Nun, dann gibt es heute Abend zumindest statt Wildschweinbraten „Gespießten Hund“ auf des Königs Teller.
Es ist an der Zeit, dass sich in Unserem Königreiche etwas ändert. Wir ziehen Uns nicht trotzig in die Trutzburg zu Mayence zurück, nein, Wir erlassen eine neue Verfassung, mit der einiges leichter wird:
König Kurts Gesetze sollen nun wirken!
Glückauf! Oder wie sagt man hier außerhalb der Pfalz?

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