Tagebucheintrag am 14. des November
Liebes Tagebuch,
sie haben es getan, Sie haben es tatsächlich gewagt! Verflucht seien sie alle, dass sich Uns in den Weg stellen. Fluch und Schande über das Bundesexekutivgericht! ZORN, Rache und Verderben über die Landständeversammlung!!!
Wir hatten sie gewarnt, Wir hatten ihnen verboten, sich in Unsere Angelegenheiten zu mischen. Aber sie haben Uns ignoriert, die Bundesrichter haben geglaubt, in Leipzig seien sie vor Unserer Rache sicher. Bei Unserem Barte, wären Wir noch Kaiser und das Bundesheer der sozialproblematischen Fürsten noch in Unserer Hand, Wir schwören bei Uns selbst, kein Stein wäre in Leipzig auf dem anderen geblieben.
Aber Wir sind nicht mehr Kaiser. Wir können ihnen in Leipzig nicht schaden. Dank ihres Urteils ist der uns genehme Richter abgelöst, entmachtet, und Unser treuer oberster Reichsadvokat wird im ganzen Reiche als Verbrecher geschmäht. Immer lauter werden die Stimmen, die von Uns seinen Kopf fordern. Wir haben das schon vor dem Urteil der unverschämten Richter festgeschrieben, Wir sind die oberste Autorität in Fragen der Justiz. Wir sind das Recht! Wir lassen Uns nicht reinreden!!!
Aber das haben Unsere Untertanen anscheinend vergessen. Unglaublich, da rufen die Fürsten der Landständeversammlung ein Sonderkonzil nach Mayence. Unser Reichsadvokat wurde mit übelsten Schmähungen überworfen. Und dann stellen die Fürsten auch noch einen Misstrauensantrag. Wir wussten zuerst gar nicht, was das sein soll. Man erklärte Uns dann, damit sei es möglich, Unsere Minister per Abstimmung durch die Landständeversammlung abzuberufen.
Wie kann das sein? Wir hatten dergleichen doch zu Beginn Unserer Regierung verboten! Wieso ist das nicht schon längst aus der Verfassung Unseres Reiches gestrichen? Was wird denn als nächstes passieren? Berufen die Fürsten Unsere, UNSERE Minister nach freiem Gutdünken ab? Sollen als nächstes vielleicht Wir von der Versammlung gewählt werden? Das wirft Unsere gesamte monarchisch-kurtsche Ordnung über den Haufen. Wir werden das niemals akzeptieren!!!
Zwar hatten Wir schon festgelegt, dass Unser Reichsadvokat von der Liste der möglichen Kronprinzen gestrichen werden soll. Das ist auch die Mindeststrafe, die er für seine Inkompetenz auf sich nehmen muss. Warum lässt er sich auf vom Bundesexekutivgericht erwischen? Aber Wir werden niemals zulassen, dass Uns die Kompetenz, Unseren Hof selbst auszuwählen, aus der Hand genommen wird. Schon aus Protest gegen diesen rüden Aufstand werden Wir mit aller Kraft und Unserer gesamten Staatsgewalt niederschlagen und um jeden Preis an Unserem Reichsadvokaten vom Bamberg festhalten.
Wir müssen dem Volk zeigen, wo der Platz der Justiz in der kurtschen Ordnung ist.
Wir brauchen etwas… ja, ein Symbol. Ha, Wir haben eine Idee: Wir werden vor jedem Gericht in Unserem Reiche einen Hund in einer Richterrobe festleinen lassen. Balou und Cameron wollen Wir in der roten Robe eines Bundesrichters als Sondergesandte nach Leipzig entsenden, auf dass sie dem Bundesexekutivgerichte Unsere persönliche Wertschätzung in einem großen Hundehaufen präsentieren
Dazu gilt es, der Landständeversammlung ihre Grenzen aufzuzeigen. Zunächst werden Wir die Barone der Sozialproblematischen Prinzen zu Uns kommen lassen, und ihnen bei Androhung von Folter und Tod gebieten, den Misstrauensantrag in der Landständeversammlung niederzuringen. Danach werden Wir diesen absurden Passus aus der Landesverfassung streichen lassen, der Unsere Minister bedroht. Ist das geschehen werden Wir die Landständeversammlung auflösen und sie erst wieder zusammenrufen, wenn jeder einzelne Fürst in Demut vor Unserem Thron darum bettelt, wieder Unserer Anwesenheit für Wert erachtet zu werden.
„Knecht! Lasse er Unseren Hofschneider kommen und schicke er nach Unseren moselfränkischen Jagdhunden! Außerdem möge Unsere Geheympolizei Uns die Barone der Sozialproblematischen Fürsten, notfalls unter Einsatz von Waffengewalt, augenblicklich vorführen! Zudem erteile man Unserer roten Zora das Recht fortan jedes Gesetz, das Unserer sozialproblematischen Politik entgegen spricht, einfach zu schottern!“
KÖNIG KURT I.
Rex Legum et Canum
Tagebucheintrag am 6. des November
Liebes Tagebuch,
auf keinen Unserer Getreuen ist mehr Verlass in diesen schweren Zeiten!
Wir hatten dir ja berichtet, das der oberste Reichsadvokat Heinz Georg von Bamberg in unserem Auftrage einen Uns genehmen Leibeigenen der sozialproblematischen Fürsten für das Oberkammergericht in Koblenz eingesetzt hat.
Das Höchste Bundesexekutivgericht in Leipzig hat nun angeordnet, dass Unser Leibeigener nicht weiter dort Unsere Interessen wahren darf. Mehr noch: Unser Reichadvokat habe sich “auf nicht tragfähige Erkenntnisse gestützt”, sagen diese obskuren Richter des Bundes!
Unsere Anordnungen sind IMMER TRAGBAR! Sie kommen direkt von Eurem König!
Unser oberster Reichsadvokat hat also einen anderen schweren Fehler begangen. Seinen König hintergangen, weil er nicht fähig war, den Willen des Königs so umzusetzen, das ihn auch das Höchste Bundesexekutivgericht anerkennt.
Wir sind zerknirscht. Wir sind erzürnt!
Schon wieder müssen Wir einen Geheymkronprinzen auf die Liste der Enterbten setzen.
“Schreiber! Er bringe Uns die Proklamation!”
KÖNIG KURT I.
Rex aulae impatientis
Tagebucheintrag am 26. des Oktober
Liebes Tagebuch,
Himmel Herr Kurt, Wir werden gleich ernsthaft verärgert!!
Wir hatten dir, Unserem lieben Tagebuch, ja bereits berichtet, dass es eines Unserer Kernanliegen war, nach der endgültigen Saturierung Unserer Macht in der Landständeversammlung auch die Gerichte Unseres Reiches mit Unseren Getreuen zu versehen. Das ist nur allzu sinnvoll, so können Wir die Loyalität der Richter sicherstellen und gleichzeitig Unsere treuen Anhänger mit allzu gütlich dotierten und ansehensreichen Ämtern versehen.

Und Unserer Weisung ist Unser lieber Diener, der oberste Reichsadvokat Heinz Georg vom Bamberg, treu nachgekommen. Er hat verschiedene Institutionen ausgehebelt, und einen Uns genehmen Leibeigenen der sozialproblematischen Fürsten für das Oberkammergericht in Koblenz durchgesetzt. Das ist vorbildlich, geradezu heldenhaft!
Doch was mussten Wir jetzt erfahren? Da hat tatsächlich ein anderer Richter geklagt, gegen die Ernennung Unseres Knechts! Da wurden Wörter in den hohen Saale geworfen wie „Bananenrepublik“ oder „Verfassungsbruch“. Wir verstehen das nicht, was bei Unserem Bart ist eine Republik? Und was hat Unser braver oberster Büttel, Karl-Peter der Schwiegervater, auch genannt „Verfassungsbruch“, damit zu tun? Die Ernennung hat doch der oberste Reichsadvokat durchgesetzt.
Wir würden Uns ja eigentlich keine Sorgen machen. Als wir den Richtern der Exekutivgerichte in Unserem Reich mitteilten, wie Wir Uns Ihre Entscheidung über dieses Advokatengezänk vorstellten, hatten Wir Ihnen zufällig die Spannweite Unserer kaiserlich-königlich-pfälzischen Faust gezeigt. In treuem Gehorsam haben sie Unserem Wunsch entsprochen und die Klage frei von unnötigen, genau genommen, frei von jeder Form von guten Gründen, entsprochen.
Doch nun hat Uns Unser Herold mitgeteilt, dass dieser abgewiesene Richter, ein Mann namens Hans-Josef Graefen, weiter geklagt hat. Und nun ist das Höchste Bundesexekutivgericht zuständig. Und wo sitzt das? Nicht in Mayence, nicht in Koblenz, nicht in Bad Bergzabern, NEIN, in Leipzig, IN LEIPZIG!!!
DA KOMMEN WIR DOCH GAR NICHT DRAN!!!
Und selbst, wenn die das ablehnen, bleibt immer noch das Allerhöchste Kassationsgericht in Karlsruhe. Die reden auch andauernd von „Verfassungsbruch“. Was wollen nur alle von Unserem Obersten Büttel? Bei Uns selbst, die werden es doch nicht wagen, Unseren Diener aus dem Amt zu jagen?!
Nein, Nein, wir müssen juristisch argumentieren. Wo ist denn Unsere Proklamation?? Ah, da haben Wir es ja, unter III. 1.: Die Unabhängigkeit der Justiz ist beendet! Das ist gesetztes Recht, die Gerichte werden das ja wohl anerkennen! Und wehe, wenn nicht! Sie würden den Zorn des Kurt erfahren, Landesgrenzen hin oder her. Wenn wir an diese Dreistigkeit nur denken, könnten wir bersten vor Wut!
„Knecht! Er bring uns etwas, was wir zerbrechen können!“




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