Tagebucheintrag am 4. des November
„Knecht! Er bringe Uns die Unterlagen über Hendrik zu Hering!“
Liebes Tagebuch,
so, wie Wir dir berichteten, wollen Wir nun anhand der Dokumente Unserer Geheympolizei Unseren Hofstaat genau untersuchen, und dann ausschließen, wer würdig und wer unwürdig sei, im schlimmsten Unglücksfalle an der Seite Unseres Weibes über Rheinland-Pfalz zu herrschen. Wir haben Uns soeben die Akten über Unseren Diener Hendrik zu Hering überreichen lassen.
So, dann wollen Wir mal… Hendrik zu Hering… geboren in der Hachenburg. Oh, das finden Wir gut, es kann nichts schaden, wenn ein König eine Stammburg hat, auf die er sich im Notfalle zurückziehen kann. Wir selbst wissen schließlich noch aus leidvoller Erfahrung in Unserer Kaiserzeit, wie wichtig es für das monarchische Überleben sein kann, wenn die Verräter einem mit kaltem Herz und harter Hand den Dolch ins Rückgrat rammen. Man stelle sich nur mal vor, Wir hätten, wie es ja damals gefordert wurde, Unseren kaiserlich-königlich-pfälzischen Thron nach Unserer Kaiserkrönung abgetreten. Wir wären erbärmlich in der Gosse gelandet. Nein nein, dies hat Unser Hering klug gemacht. Wir haben ja auch noch ein Schloss in Bad Bergzabern.
Aber die Hachenburg? Mal sehen, wo die sitzt… Westerwald? Westerwald, wo ist das denn? Könnte im Norden Unseres Reiches liegen, da hat es Uns ja nie hingezogen, Wir sind lieber in der Pfalz geblieben. Westerwald…, pfälzisch ist das nicht, sonst würden Wir es wissen. Hmm, wie soll Hering denn die Kaiserlich-Königlich-Pfälzische Krone tragen, wenn er die Pfalz nicht kennt? Das müssen wir prüfen lassen.
„Sekretär, er lasse ermitteln, wo die Region des Westerwaldes zu finden ist!“
Naja, konzentrieren Wir Uns mal auf die Gegenwart. Was tut Hering denn gegenwärtig in Unserem Dienste? Ah, Wir haben ihn zum Burgvogt der Ringfestung ernannt. Warum noch gleich wieder? Ach ja, er ward mit der heiligen Mission beauftragt, den Guldenschatz auf der Ringfestung zu finden. Was ist denn der letzte Eintrag in der Akte….
Was?! Bis heute hat Hering keinerlei Erfolg zu verzeichnen? Unser Schatz bleibt unentdeckt? Niemals, so geht das nicht!!! Wir können doch nicht einen Mann zu Unserem Geheymkronprinzen machen, von dem Wir nicht wissen, ob er aus der Pfalz kommt, und der nicht in der Lage ist, einen Guldenschatz in der Eifel zu finden. Bis auf weiteres bleibt Hendrik zu Hering von der Thronfolge ausgeschlossen! Wir wollen die Angelegenheit erneut überdenken, sollte er jemals dem Guldenschatze ein Stück näher kommen.
„Schreiber! Er setze Hendrik zu Hering auf die Liste der Enterbten!“
KÖNIG KURT I.
Rex Palatiorum et omnis alii
Tagebucheintrag am 2. des November
Liebes Tagebuch,
waaahhh, sie sind hinter Uns her!!!!
Sie sind gegen Uns, sie sind alle gegen Uns! Ein Monarch hat keine Freunde, er hat nur Neider! Alle schielen sie auf Unseren Thron.
Wir hatten dir, liebes Tagebuch, ja jüngst berichtet, wie wir von einem sozialproblematischen Fürsten nach einem Thronfolger gefragt wurden. Schlimm genug, doch diese Frage kommt in letzter Zeit immer häufiger. Gestern fragte Uns Lordkanzler Stadelmeier, was eigentlich Unser Wunsch bezüglich eines Kronprinzen sei. Und heute am frühen Morgen erdreistet sich Unser eigenes Weib, die königliche, auch wenn ausquartierte, Roswitha, zu fragen, wer denn an ihrer Seite das Reich regieren solle, wenn Uns etwas zustoße. Den Höhepunkt erreichte Unsere rote Generalin, Heike von und zu Cochem-Zell, als sie Uns heute gegen Mittag mitteilte, das Volk wünsche einen Kronprinzen
Ha, wenn Uns etwas zustoße, da wird die Frage glatt zur Drohung. Sie alle wollen Unsere Krone, UNSERE KRONE! Wir können es spüren, sie erdolchen Uns mit Blicken, wenn sie sich sicher fühlen. Und das Volk wünscht einen Kronprinzen. Generell ist Uns ja recht gleichgültig, was Unser Volk sich wünscht, aber Wir sind nicht sicher, ob Wir Uns diesem Wunsch verweigern können. Immerhin hat Unser monarchischer Bruder, der König von England Heinrich VIII., sein Reich fast in den Ruin getrieben im Bestreben, einen Thronfolger zu erzeugen. Sechsmal hat er geheiratet, und zwei seiner Weiber hinrichten lassen. Was für ein Stress, was für eine Aufregung! Dafür sind Wir viel zu alt. OH, jetzt fangen Wir selbst auch schon damit an.
Aber die Frage Unseres Weibes ist nicht unberechtigt. Wir haben schon als Kaiser erlebt, wie man Uns den Dolche in den Rücken rammte, damals am See zu Schwielow, und nur mit viel Mühe konnten Wir Uns in Unsere Kronlande retten. Es ist alte Unsitte der sozialproblematischen Fürsten, ihre Monarchen hinterrücks niederzustrecken. Deshalb wollen Wir in einem Punkt Unserer Proklamation Bestimmungen erlassen, welche für den schlimmsten Fall Unsere Nachfolge regeln.
Wir können niemandem trauen. Unsere Leibwächter können gekauft werden. Selbst Unsere treuen Jagdhunde können Wir nicht mehr zum Wachdienst einteilen. Balou wedelt immer mit dem Schwanz, wenn er diese christdemokratische Weinkönigin sieht, und Cameron hat Uns neulich sogar gebissen.
Genug der Klagerei, Wir haben Uns allein nach oben gedolcht, nun werden Wir allein beschließen, was mit Unserem Reich geschehen soll, wenn ein Assassine dies eines Tages mit Uns tun wird. In den kommenden Wochen wollen Wir die Unterlagen Unserer Geheympolizei über die Mitglieder Unseres Hofstaates durchgehen und wählen, wer würdig und wer unwürdig sein soll, eines Tages Unsere Krone zu tragen.
„Knecht! Er lasse den Hauptmann sowie den Generalarchivar Unserer Geheympolizei zu Uns rufen!“
KÖNIG KURT I.
Rex cum tergo intuto
Tagebucheintrag am 29. des Oktober
Liebes Tagebuch,
ist Unser Hofstaat dämlich, oder macht er sich lustig über Uns? Wir haben den Beinamen „der Endlose“, was mag das wohl meinen?
Wir haben heute in Unserer Gnade einigen Vertretern der sozialproblematischen Fürsten in der Landständeversammlung die Ehre erwiesen, ihnen eine Audienz zu gewähren. Wir waren in fröhlicher Stimmung, und einvernehmlich plauderten Wir mit Unseren treuen Vasallen über Dieses und Jenes. Wir wollten Sie eigentlich in Unserer Weisheit baden und dann ihres Weges schicken.
Doch dann verdirbt einer der Vertreter Uns glatt die Audienz, ja, den ganzen Tag. Kannst du, liebes Tagebuch, dir vorstellen, was dieser Emporkömmling in seiner Dreistigkeit zu fragen wagte?
„Allerhöchste kaiserlich-königlich-pfälzische Majestät“, sagte er: „ Lang und gnadenvoll habt Ihr über unsere unwürdigen Leben bestimmt, habt euer Königreich mit harter Hand regiert. Doch nun, da ihr alt geworden und euer Bart sich ins Graue färbt, so sagt uns, wer soll eines Tages euer Thronfolger sein?“
Wer Unser Thronfolger sein soll?! Pah, Wir folgen Uns selbst auf den Thron, wenn Wir ihn abends zur Ruhe verlassen, so folgen Wir Uns selbst am nächsten Tage und besteigen ihn erneut! Was hat der Verräter in seiner Einfalt denn erwartet? Das Wir sagen, oh, dieser und jener, und jener und dieser? Wenn wir doch „der Endlose“ heißen, dann meint das doch, dass wir ohne Ende regieren werden! Das versteht Unser tumbes Volk doch bei Unserer Kongregationsvorsitzenden für rote Indoktrination, der treuen Doris, schließlich auch. Da weiß auch jeder, dass und warum sie „Doris ohne Ahnung“ heißt.
Wir machen das nicht mit, sonst fragt Uns demnächst noch jemand nach einem Datum. März 2011 vielleicht, was? NIEMALS!!!
Fortan verbieten Wir Spekulationen über Unsere Nachfolge! Wer gegen dieses Verbot verstößt, den verfüttern Wir an den sich nicht schnell bewegenden Drachen der Ringfestung, Ringraz… ach nein, der schläft noch; den verbannen Wir zu Großkämmerer Ingo… ach nein, Wir haben vergessen, wo Wir den hingeschickt haben; den schicken Wir in die Einheitsschule Minu… NEIN, da korrumpiert er Unsere Jünglinge. Den schicken Wir…. mit dem machen… für den denken Wir Uns noch was aus!
Unser Geblütsrecht soll fortan in der Proklamation der Kaiserlich-Königlich-Pfälzischen Staatskanzlei zu Mayence festgeschrieben sein!
Mehr zu diesem unsäglichen Thema folgt…


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